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Kinder und Familie

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern“

Die Entscheidung, eine Familie zu gründen und Kinder aufzuziehen führt junge Paare auch wirtschaftlich in eine vollkommen neue Lebenssituation. Die finanziellen Bedürfnisse und Belastungen ändern sich radikal. Um Väter, Mütter und Kinder im Familienalltag zu entlasten, stellt der Gesetzgeber zahlreiche Fördermöglichkeiten und steuerliche Entlastungen zur Seite.

tatort:Steuern sprach am 7. Januar 2011 mit Steuerberater Michael von Arps-Aubert über die aktuelle Rechtslage.

Herr von Arps-Aubert, welche Möglichkeiten gibt es für Familien konkret, sich steuerlich zu entlasten?

Die primäre Förderkomponente ist das Kindergeld. Ob Kindergeld oder der Kinder- und Betreuungsfreibetrag günstiger ist wird im Rahmen der Günstigerprüfung entschieden. Grundsätzlich wird das Kindergeld unabhängig vom Einkommen der Eltern monatlich gezahlt. Es ist als Vorauszahlung zu verstehen. Das Finanzamt prüft bei der Einkommensteuerveranlagung, ob der Steuervorteil aus dem Kinderfreibetrag und dem Betreuungs- und Erziehungsfreibetrag größer ist, als das bereits ausgezahlte Kindergeld. Diese Günstigerprüfung wird automatisch durchgeführt. Hierbei kommt es auf die Höhe des Einkommens der Eltern an. Ab einer bestimmten Höhe ergeben sich durch die Berücksichtigung der Freibeträge zusätzliche Entlastungen. Für Eltern mit niedrigerem Einkommen verbleibt es beim gezahlten Kindergeld.

Kann man auch Kinderbetreuungskosten steuerlich geltend machen?

Auch das ist möglich. Laut Gesetzgeber soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch einen steuerentlastenden Ansatz von Kinderbetreuungskosten für Kinder bis zum 14. Lebensjahr gefördert werden. Hierzu führen beispielsweise Aufwendungen für den Kindergarten (ausgenommen Verpflegungsanteile), die Tagesmutter oder auch die Beaufsichtigung bei der Erledigung der Hausaufgaben. Stets muss der Aufwand mittels einer Rechnung nachgewiesen und die Zahlung bargeldlos auf das Konto des Empfängers erfolgen. Nicht begünstigt sind dagegen Kosten für Nachhilfe, Sprach- und Computerkurse sowie der Mitgliedsbeitrag eines Sportvereins. Voraussetzung ist, dass die Kinder zum Haushalt gehören.

Gilt das für alle Familien?

Grundsätzlich werden zunächst Eltern gefördert, die als Alleinerziehende erwerbstätig sind beziehungsweise bei zusammenlebenden Eltern, wenn beide einer Erwerbstätigkeit nachgehen. In diesen Fällen kommen zwei Drittel der gezahlten Aufwendungen – maximal 4.000 Euro pro Jahr und Kind – als Kinderbetreuungskosten zum Ansatz. Nicht erwerbstätige Alleinerziehende oder Eltern, bei denen nur ein oder kein Elternteil einer Erwerbstätigkeit nachgeht, erhalten diese Entlastung nur für drei- bis sechsjährige Kinder. Der Gesetzgeber hat aber aktuell einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, nach dem künftig keine Unterscheidung mehr zwischen erwerbsbedingten und nicht erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten erfolgen soll.

Sind Alleinerziehende also steuerlich im Nachteil?

Nicht unbedingt. Immerhin gibt es die Möglichkeit, den so genannten Entlastungsbetrag geltend zu machen. Wenn der Elternteil alleinstehend ist und mindestens ein Kind, für das ein Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag besteht, zum Haushalt gehört, ist es möglich, einen jährlichen Freibetrag von 1308 Euro zu nutzen. Vorausgesetzt es besteht kein Anspruch auf die Ehegattenveranlagung. Andererseits darf auch keine Haushaltsgemeinschaft mit einer volljährigen Person bestehen. Zur Versagung dieses Freibetrages würde folglich der mit im Haushalt wohnende Lebenspartner führen.

Viele Familien können den Alltag nur durch fremde Hilfe bewältigen. Kann man auch hier mit steuerlicher Unterstützung rechnen?

Ja. 20 Prozent der Aufwendungen (maximal 510 Euro) können für haushaltsnahe Dienstleistungen bei einer geringfügigen Beschäftigung für die häusliche Kinderbetreuung direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen sind ebenfalls 20 Prozent der Aufwendungen – jedoch maximal 4.000 Euro als Steuerermäßigung – möglich. Diese hohen Kosten können beispielsweise im Zusammenhang mit Pflege- und Betreuungsleistungen eines behinderten Kindes entstehen.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es für die finanziell belastenden Schul- und Ausbildungszeiten?

Höchstens 30 Prozent des gezahlten Schulgeldes, aber maximal 5.000 Euro, können die Eltern im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen. Voraussetzung ist, dass für das Kind ein Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag besteht. Nicht begünstigt sind Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung. Für die Ausbildungszeit gilt ein Freibetrag in Höhe von 924 Euro für ein volljähriges Kind, das in der Berufsausbildung und auswärtig untergebracht ist. Bezieht das Kind eine Ausbildungsvergütung oder arbeitet es in den Semesterferien, dann wird der Freibetrag um die 1.848 Euro übersteigenden eigenen Einkünfte gekürzt.