Skip to main content

Gepflegt gespart

Wer pflegebedürftig ist kann die in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten als außergewöhnliche Belastung steuermindernd geltend machen. Steuervorteile gibt es auch für Personen, die pflegebedürftige Menschen unterstützen. von ARPS-AUBERT + Partner erklärt Ihnen, worauf es ankommt.

Pflegekosten stellen nach dem Einkommensteuergesetz grundsätzlich außergewöhnliche Belastungen dar. Voraussetzung ist, dass mindestens ein Schweregrad der Pflegebedürftigkeit besteht oder eine erhebliche Einschränkung der Alltagkompetenz amtlich festgestellt wurde.

Eigene Pflegeaufwendungen

Zu den Aufwendungen infolge Pflegebedürftigkeit und erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz zählen sowohl Kosten für die Beschäftigung einer ambulanten Pflegekraft und/oder die Inanspruchnahme von Pflegediensten, von Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege, der Kurzzeitpflege als auch Aufwendungen zur Unterbringung in einem Heim.

Bei einer Heimunterbringung ist eine Haushaltsersparnis abzuziehen, wenn der private Haushalt aufgelöst worden ist. Für das Jahr 2016 beträgt diese 8.652 EUR. Belaufen sich die Kosten der Unterbringung einschließlich Servicepauschale beispielsweise auf 24.000 EUR pro Jahr kann hierfür in der Steuererklärung 2016 ein Betrag von 15.348 EUR angesetzt werden. Allerdings setzt das Finanzamt immer voraus, dass die Aufwendungen zwangsläufig entstanden sind. Vor diesem Hintergrund wird in einem derzeit beim Bundesfinanzhof anhängigen Verfahren zu klären sein, ob die Kosten auch dann zu berücksichtigen sind, wenn der Steuerpflichtige lediglich aus Altersgründen in ein Altenheim umgezogen ist und erst während des Heimaufenthalts krank und pflegebedürftig wurde. Lehnt das Finanzamt die Kosten für die Heimunterbringung in diesen Fällen ab, sollte Einspruch eingelegt werden.

Tipp: Fallen infolge der Körperbehinderung und Pflegebedürftigkeit hohe außergewöhnliche Belastungen an, gibt es neue Chancen, dass sich diese über mehrere Jahre verteilt absetzen lassen. Ein entsprechendes Verfahren ist ebenfalls beim Bundesfinanzhof anhängig. Werden beispielsweise Treppenlifte eingebaut, Bäder umgebaut, behindertengerechte Spezialmöbel angefertigt oder Fahrzeuge umgerüstet, fallen schnell fünf- oder sogar sechsstellige Beträge an. In diesen Fällen kann eine Verteilung des Aufwands über mehrere Jahre günstiger sein. Gegen die Ablehnung eines solchen Antrags sollte Einspruch eingelegt werden.

Zumutbare Eigenbelastung

Allerdings berücksichtigt das Finanzamt außergewöhnliche Belastungen immer erst nach einem gewissen Eigenanteil. Diese zumutbare Eigenbelastung ist abhängig von Familienstand, Kinderzahl und der Höhe des Einkommens. Sie beträgt zwischen 1 und 7 Prozent der Einkünfte. Da auch andere Kosten – insbesondere für Therapien, Kuren und Medikamente – außergewöhnliche Belastungen darstellen, lohnt es sich also, fleißig Belege zu sammeln und den Abzug in der Einkommensteuererklärung zu beantragen. Leistungen aus Versicherungen sind vom Gesamtaufwand allerdings immer abzuziehen, zum Beispiel Pflege- oder Pflegetagegeld.

Tipp: Für den Teil der haushaltsnahen Pflegekosten, der durch den Ansatz der zumutbaren Belastung nicht als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt wird, kann die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen beantragt werden. Das Finanzamt mindert die Steuerlast dann zusätzlich um 20 Prozent dieser Aufwendungen.

Alternative: Pauschbeträge prüfen

Alternativ zu einer Geltendmachung der durch die Pflege, Krankheit und Körperbehinderung entstandenen Einzelkosten kann der Pflegebedürftige einen Behinderten-Pauschbetrag geltend gemacht werden, sodass bei der Erstellung der Steuererklärung geprüft werden sollte, was zu einem günstigeren Ergebnis führt. Die seit vielen Jahren unveränderten Pauschbeträge betragen allerdings – je nach Grad der Behinderung – lediglich 310 bis 3.700 EUR pro Jahr. Beträgt der Grad der Behinderung weniger als 50 Prozent, ist die Gewährung des Pauschbetrages zudem von weiteren Voraussetzungen abhängig. Der Behinderten-Pauschbetrag eines Kindes ist auf die Eltern übertragbar.

Tipp: Neben dem Pauschbetrag lässt das Finanzamt den Ansatz von Kfz-Kosten bei Gehbehinderung, zusätzliche Krankheitskosten und Kuren als „normale“ außergewöhnliche Belastung zu.

Pflegeaufwendungen für Dritte

Wird ein Angehöriger im Haushalt des Pflegenden betreut, kann dieser die laufenden Unterhaltsaufwendungen bis 8.652 EUR (2016) als außergewöhnliche Belastung abziehen. Eine zumutbare Eigenbelastung gibt es hier nicht; eigene Einkünfte und/oder Bezüge der gepflegten Person sind jedoch auf den Höchstbetrag anzurechnen.

Neben den laufenden Unterhaltsaufwendungen können die vom Angehörigen bezahlten Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen steuerlich berücksichtigt werden. Da hier allerdings wieder die zumutbare Eigenbelastung gereift, dürfte der stattdessen auf Antrag zu gewährende Pflege-Pauschbetrag häufig günstiger sein. Bei der Einkommensermittlung wird ein Betrag von 924 EUR pro Jahr abgezogen, wenn die zu pflegende Person ist nicht nur vorübergehend hilflos ist und die häusliche Pflege persönlich durchgeführt wird.

Hat der Steuerpflichtige einen pflegebedürftigen Angehörigen in seinen Haushalt aufgenommen, um ihn dort zu pflegen und zu versorgen, und erhält er dafür aus dem Vermögen des Pflegebedürftigen Geldbeträge, so steht ihm kein Pflege-Pauschbetrag zu. Allerdings vollziehen sich diese Leistungen und die empfangenen Zahlungen im Rahmen der familiären Lebensgemeinschaft und unterliegen daher im Regelfall nicht der Einkommensteuer.