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Anlage KAP – komplizierter denn je!

Seit dem 01.01.2009 gelten völlig neue Regeln für die Besteuerung von Kapitaleinkünften. Wir erklären, weshalb die Kapitaleinkünfte trotz „Abgeltungsteuer“ in den meisten Fällen weiterhin in der Steuererklärung anzugeben sind und was unbedingt beachtet werden sollte.

Erklärtes Ziel des Gesetzgebers war es, durch Einführung einer so genannten Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge die Besteuerung zu vereinfachen. Bei Aufbereitung der Einkommensteuererklärung 2009 zeigt sich nun, dass die erzielten Einnahmen in den meisten Fällen dennoch weiterhin anzugeben sind. Dabei sorgt eine für den steuerlichen Laien unverständliche Anlage KAP für Irritationen.

Durch die Einführung der Abgeltungsteuer kommt es erstmals in Deutschland zu einem dualen Steuersystem: Während alle übrigen Einkünfte weiterhin progressiv mit bis zu 45 % besteuert werden, existiert für bestimmte Kapitaleinkünfte nunmehr ein besonderer einheitlicher Steuersatz von 25 %, zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer.

Bereits hier witterte der Gesetzgeber Gestaltungsspielräume, die er durch zahlreiche Ausnahmeregelungen zu versperren versucht. Vergibt beispielsweise ein Gesellschafter ein Darlehen an „seine“ GmbH, sind die Zinsen wie bisher progressiv zu besteuern. Die Regelung gilt auch für andere „nahe stehende Personen“ – Abgrenzungsprobleme und entsprechende Prozesse vor den Finanzgerichten sind vorprogrammiert.

Zur Sicherung des Steueranspruchs existieren zahlreiche weitere Sonderregelungen und Antragswahlrechte. Hinzu kommen Rechtsnormen, die den Kirchen das Steueraufkommen auch in Zeiten der Abgeltungsteuer sichern sollen. Nach alledem ist es wahrscheinlich, dass die Abgeltungsteuer in der jetzigen Form nicht lange Bestand haben dürfte, zumal die auf den ersten Blick günstige Besteuerung von Zinsen und Kapitalerträgen als ungerecht empfunden wird. So wird in den Wahlprogrammen einiger Parteien bereits die Abschaffung gefordert.

Gleichwohl kommt der Steuerbürger nicht umhin, sich für die Einkommensteuererklärung 2009 mit den neuen Regelungen auseinander zu setzen. Wird der Erklärung keine Anlage KAP beigefügt, können folgende nicht gewünschte Konsequenzen eintreten:

Fall 1: Sie zahlen zu wenig Steuern

Abgeltungsteuer ist nachträglich zu entrichten, wenn der Steuerabzug unterblieben ist. In diesen Fällen besteht die Verpflichtung zur Angabe der betroffenen Erträge im Rahmen der Steuererklärung. Die Nichtangabe kann strafrechtliche Konsequenzen auslösen.

In Betracht kommen u. a. folgende Fälle:

  • Die Summe der erteilten Freistellungsaufträge übersteigt den gesetzlichen Sparer-Pauschbetrag (801 Euro; bei Ehegatten 1.602 Euro).
  • Es wurden Erträge aus ausländischen Konten oder Depots erzielt. Ausländische Banken sind nicht zum Steuereinbehalt verpflichtet.
  • Erträge aus ausländischen thesaurierenden Investmentfonds unterliegen nicht dem Steuerabzug. Dieser wird erst bei Veräußerung oder Rückgabe der Anteile vorgenommen. Die Erträge sind in der Steuererklärung anzugeben. Zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung ist bei Verkauf der entsprechenden Anteile zu prüfen, ob die Bemessungsgrundlage zu korrigieren ist.
  • Es wurden Zinsen aus privat vergebenen Darlehen erzielt.
  • Der Steuerpflichtige ist Kirchenmitglied und hat dies der Bank für den Steuerabzug nicht angezeigt. Die Kirchensteuer ist im Rahmen der Veranlagung festzusetzen.
  • Im Veranlagungszeitraum wurden Erstattungszinsen vom Finanzamt ausgezahlt.

Fall 2: Sie zahlen zu viel Steuern

In vielen Fällen war der Steuerabzug zu hoch. Auf Antrag überprüft das Finanzamt den Steuerabzug und erstattet die zuviel gezahlte Abgeltungsteuer. Die Antragstellung ist freiwillig und erfolgt auf der Anlage KAP, die in derartigen Fällen der Steuererklärung unbedingt beigefügt werden sollte.

In Betracht kommen u. a. folgende Fälle:

  • Der Sparer-Pauschbetrag wurde mangels Freistellungsauftrag beim Steuerabzug der Bank nicht berücksichtigt.
  • Die Bemessungsgrundlage für den Steuerabzug war zu hoch (z. B. nach Depotüberträgen)
  • Es wurden bestimmte Transaktionskosten und/oder Kosten der Vermögensverwaltung beim Verkauf von Wertpapieren nicht berücksichtigt.
  • Ausländische Steuern wurden nicht vollständig berücksichtigt

Liegt der persönliche Steuersatz unter dem Abgeltungsteuersatz – z. B. aufgrund von Verlusten aus anderen Einkunftsarten – kann eine Günstigerprüfung beantragt werden. Nur in diesem Fall sind sämtliche Kapitalerträge anzugeben. In allen anderen Fällen reicht es aus, nur bestimmte Kapitalerträge unter Vorlage der Steuerbescheinigungen zu erklären. Was beantragt und erklärt wird, hat erhebliche Bedeutung. Eine Günstigerprüfung führt nicht immer zu einem günstigeren Ergebnis, ermöglicht jedoch dem Finanzamt einen automatisierten Abruf von Kontoinformationen bei den Banken.

Wir helfen Ihnen durch den Dschungel dieser Regelungen. Geben Sie uns hierfür sämtliche Kapitalerträge zur Prüfung der günstigsten Vorgehensweise an. Ein Kontenabruf durch das Finanzamt wird ausgelöst, wenn sämtliche Erträge in der Steuererklärung anzugeben sind. Dies ist u. a. bei einem Antrag auf Günstigerprüfung der Fall und sollte auf Basis der Berechnungen des Steuerberaters fallbezogen entschieden werden. Von „pauschal“ gestellten Anträgen auf Günstigerprüfung ist abzuraten.

Fall 3: Ihnen gehen Verluste verloren

In Zeiten der Finanzkrise ist kaum jemand von Verlusten verschont geblieben. Für bis 2008 realisierte Verluste existieren komplexe Mechanismen für die Verlustverrechung in den Folgejahren. Eine Geltendmachung kann nur durch entsprechende Angaben in der Anlage KAP erreicht werden.

Prüfen Sie gemeinsam mit uns die Optimierung der Verlustverrechnung. Existieren Depots bei mehreren Banken, kommt einer entsprechenden Strategie besondere Bedeutung zu. Bei einem Kreditinstitut entstandene Verluste können bei rechtzeitig abgestimmter Vorgehensweise und Antragstellung bereits im laufenden Jahr mit bei anderen Banken erzielten Gewinnen verrechnet werden.

Bei fremdfinanzierten Beteiligungen an Kapitalgesellschaften kann ein Antrag auf Berücksichtigung der Schuldzinsen sinnvoll sein. Wegen der Voraussetzungen und eintretender Bindungswirkungen beraten wir Sie gerne.

Optimal erklärt: Diese Unterlagen benötigen wir von Ihnen

Zur Ermittlung des für Sie optimalen Ergebnisses benötigen wir insbesondere die Steuerbescheinigungen und Erträgnisaufstellungen von sämtlichen Kreditinstituten, sowie Angaben zu etwaigen weiteren Zins- und Kapitalerträgen.

Verschenken Sie kein Geld: Der Gesetzgeber hat den Werbungskostenabzug für Kapitaleinkünfte ab 2009 verboten. Dies kann im Einzelfall zu einer Übermaßbesteuerung führen. Da erste Gerichtsverfahren zu diesem Thema anhängig sind, sollten Sie uns zusätzlich auch die Kosten für Depotführung, Verwaltung, Schuldzinsen etc. angeben.

Wir helfen Ihnen in allen Fragen der Steuerdeklaration und wahren Ihren Rechtsschutz! Erfolg Steuern. Mit uns!